einnorden – ein Versuch

einnorden – ein Versuch
Im Rahmen des „Kultursommers Rheinland-Pfalz 2020 – mit dem Thema „Nordlichter“ haben die Mitglieder der KWG (Künstlerwerkgemeinschaft Kaiserslautern) in den letzten Monaten nördliche Breiten erkundet.

Wir haben Literatur, Musik, Bildende Kunst und die Natur des Nordens erforscht – sowohl virtuell im Netz, als auch ganz real. Mit Reisen zu Fuß, mit dem Schiff und dem Auto, soweit das möglich war.

Dänemark und Deutschland feiern 2020 ein kulturelles Freundschaftsjahr. Auch deswegen haben wir den Künstlerkollegen Søren Bredahl Rasmussen, aus der ehemaligen Partnerstadt Silkeborg in Dänemark zur Ausstellung nach Kaiserslautern eingeladen, mit dem wir seit dem Frühjahr 2020 einen künstlerischen Dialog führen.

Mittels Bildender Kunst, Musik, Film, Wort, Schauspiel wollten wir die Fragen erörtern: Was ist für mich der Norden und wo beginnt er?
Nur Elche und Mittsommernächte?
Was ist so anders da?
Worin gleichen wir uns?
Ein neuer Blick auf “nordische Kunst”?
Was denken die Nordlichter über den Süden?
Was wissen sie von Kaiserslautern? Und umgekehrt.
Halten die jeweiligen Klischees stand?

Wir freuen uns darauf, die Ergebnisse dieser Untersuchungen in einer Ausstellung im Erdgeschoss der Fruchthalle Kaiserslautern präsentieren zu dürfen. So Corona es will.

Eröffnung der Ausstellung:
24. September 2020 ab 17 Uhr
Finissage:
07. Oktober 2020 ab 17 Uhr
(jeweils unter Einhaltung aller Hygienevorschriften)

Es gibt ein Begleitprogramm in Form von Vorträgen und Lesungen im/am Waldschlösschen (Bremerstraße 12, Kaiserslautern).

Fruchthalle Kaiserslautern
Referat Kultur der Stadt Kaiserslautern
Fruchthallstraße 10
67655 Kaiserslautern
Telefon: 0631 365-3450
Öffnungszeiten
Montag bis Donnerstag: 09:00 – 12:00 Uhr
Freitag 09:00 – 13:00 Uhr
Mittwoch 09:00 – 16:00 Uhr
Der Künstler Søren Bredahl Rasmussen wird anwesend sein.
Wir danken dem „Kultursommer Rheinland-Pfalz“ für seine Unterstützung
Foto: Silvia Rudolf.

Presse:
Isabelle Girard de Soucanton

Dienstag, 29. September 2020 – 14:05 Uhr

Es war ein langes Warten. Und ein Fragen, ob die Künstlerwerkgemeinschaft (KWG) sowohl im Rahmen ihres 20-jährigen Bestehens als auch des Kultursommers Rheinland-Pfalz „Nordlichter“ ausstellen können werde. Jetzt ist alles klar: Seit dem Wochenende ist die interdisziplinäre Kunstschau „einnorden – ein Versuch“ in der Fruchthalle zu besichtigen.

Alles Planen stand auf wackeligen Prognosen. Hatte doch die Corona-Pandemie bereits im März der großen Jubiläumsfeier zum 20-Jährigen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Nichtsdestotrotz: Für ein mögliches Ausstellen wollten und sollten die Mitglieder gerüstet sein. Und so entstand der Titel „einnorden – ein Versuch“ als zielführendes Zitat, als Orientierung in einer für viele so schwierigen Zeit nicht aufzugeben. Der gute Geist, so wird erzählt, heißt Silvia Rudolf. „Sie ist unsere treibende Motivation. Ihr gebührt das Verdienst, dass wir uns mit dieser Ausstellung zeigen können“, bestätigte KWG-Vorsitzender Reiner Mährlein. Und tatsächlich. Von Zaudern und Kränkeln ist keine Spur zu sehen. Im Gegenteil.

Wer eine gute Portion Zeit mitbringt und den Rundgang im formidablen Erdgeschoss des Neorenaissance-Gebäudes Fruchthalle beginnt, wer sich willig in die dargestellten Welten der Bilder, Texte und Objekte begibt, dem kann es passieren, sich unversehens auf Reisen wiederzufinden. Natürlich gen Norden. Und mit der Quintessenz: Der Weg ist das Ziel. Mit dieser Art figurativen, abstrakten, literarischen, musikalischen und bildhaften „Erzählens“ beginnt die Rubrik „Kunsthäppchen“, nicht ohne Augenzwinkern. Etwa Hannelore Bährs Ein-Frau-Video „Norden, eine Suche“ mit charmantem Pathos, es im Lauterer Teller-Rand-Radius zu versuchen. Auch Barbara Seeliger macht sich mit laufenden Bildern und Schauspielkollege Stefan Kiefer auf den Weg. Sie schippern per Floß über Pfälzer Stoppelfelder in Richtung „Ungefähr Norden. Ein Anfang“. Fortsetzung, so Autorin Seeliger, sollte auf einer Bühne folgen.

Kalt rieselt es den Rücken herunter

Geschichten dieser und jener Wege assoziieren Landschaften. Die weiteste, schneeweiß grundierte, kreierte Zeichnerin Silvia Rudolf. Über sechs Transparentpapiere hinweg spürt raumgreifende Liniengestik assoziierte Fährten in „Lofotischer Landschaft“ auf, während Roland Albert seine „Eismeere“ aus Wellpappe in vertikal jähem Sturz positioniert. Volker Tinti dagegen kreiselt mit Klötzen auf runden Podien von „Nordlicht“ über „Eis vor Vinland“ zu „Polarkeise“ und erinnert den Betrachter an skandinavische Wälder und Holzflöße. Ein globales Phänomen suggeriert Edelgard Lösch mit ihrem fernen Blick auf ihre informell gemalten Bergpanoramen „Gletscherschmelze“ und „Schneeschmelze“. Nicht ganz leicht zu konsumieren, zumal an der Raumecke direkt daneben Reiner Mährleins Stahlplastik mit „Perdu le Nord“ die verlorene Orientierung thematisiert. Da rieselt es dem Besucher schon mal kalt den Rücken runter.

Doch kein Grund apokalyptisch zu erstarren. Denn wenige Schritte weiter wartet erneutes Augenzwinkern. Gemeint ist das Wandtableau mit der „Still-Missing-You“-Korrespondenz zwischen Veronika Olma und dem Dänen Sören Bredahl Rasmussen. 100 Postkarten von „K“ aus „K’town“ an „Silke“ aus Silkeborg (Ex-Partnerstadt). Fast manisch schrieb „er“ „ihr“ seit dem Valentinstag. Tag um Tag. 93 Postkarten. Endlich Antwort. Sogar von kommunaler Stelle. Doch alles ist gut: Rasmussen stellt als Gastkünstler aus und zeigt neben drei Stahlplastiken „Let’s Play“ die entsprechenden 3-D-Drucke Baum, Segelboot und Vogel.

Mit auf dem Weg nach Norden

Den Titel „einnorden“ im Gedächtnis, erinnern die unscharfen Fotografien von Marta Maria Mroz an hingehauchte Gletschererscheinungen, fast so „frozen“ wie Erika Klos’ grauweiße Papierarbeit oder Norbert Roths transparente Fotoarbeit „NordenUnten“. So sehr sich die Werke unter dem Begriff „einnorden“ in eine Erzählung einordnen lassen, so reiz- und wertvoll ist jedes für sich in seinen Formen, Farben, Materialien und Aussagen. Ein Beispiel: Da taucht unvermittelt „Ikea“ auf, ein sperriger, ungeordnet geordneter Holz-Gedanke, den Marie Gouil als „Kit Construction I“ dem Norden „zu-nordet“. Nicht alle Arbeiten konnten hier erwähnt werden. Es bedarf individueller Zeit und Muße sich dieser inhaltsreichen und vorteilhaft präsentierten Vielfalt zu widmen um sogar mit auf jenem Weg gen Norden zu sein. Es lohnt sich.

Ausstellung

Die KWG-Ausstellung ist bis 7. Oktober, jeweils donnerstags und freitags von 17 bis 21 Uhr zu besichtigen. Es gibt ein Begleitprogramm mit Vorträgen und Lesungen im/am Waldschlösschen (Bremerstraße 12, Kaiserslautern). Info unter www.kuenstlerwerkgemeinschaft.de

Erika Klos



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